Wachsende Ausgaben bei uneinheitlicher Versorgung
Aktualisiert (Donnerstag, 01. Januar 1970 um 01:59) Geschrieben von: Ulrike Bach Mittwoch, 17. September 2008 um 14:55
Berlin – Deutliche Ausgabensteigerungen im Heil- und Hilfsmittelbereich dokumentiert der aktuelle Heil- und Hilfsmittelreportder Gmünder Ersatzkasse (GEK). Für Heilmittel, wie Physiotherapie, Sprachtherapie oder Ergotherapie gab die GEK im vergangenen Jahr rund 83 Millionen Euro aus, für Hilfsmittel, wie Bandagen, Schuheinlagen oder Hörhilfen, etwa 81 Millionen Euro.
Dienstag, 16. September 2008
Die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr beträgt damit 5,56 Prozent für Heilmittel und 9,45 Prozent für Hilfsmittel. Insgesamt entfielen 2007 knapp sechs Prozent (8,6 Milliarden Euro) der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Heil- und Hilfsmittel. Der Markt für die Heil- und Hilfsmittel ist aufgrund sehr unterschiedlicher Anbieter und uneinheitlichen Verordnungsverhaltens ziemlich undurchsichtig. Studien wie der GEK Heil- und Hilfsmittel-Report stellten in dem viertgrößten Ausgabenbereich der gesetzlichen Krankenversicherung noch immer die Ausnahme dar, unterstrich GEK-Vorstandsvorsitzender Rolf-Ulrich Schlenker bei der Vorstellung des Reports in Berlin.
“Heil- und Hilfsmittel kommen immer häufiger zum Einsatz und verzeichnen mittlerweile höhere Ausgabenzuwächse als Ärzte und Krankenhäuser", sagte er. „Weitere Anstrengungen für mehr Transparenz und eine stärkere Qualitätsorientierung sind unerlässlich.“ Schlenker begrüßte die politischen Bestrebungen, die bisher geltende Ausschreibungspflicht im Hilfsmittelsektor in eine Kann-Regelung umzuwandeln und vermehrt einzelvertragliche Abschlüsse zu ermöglichen. Der Autor des Reports, Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS) und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, stellte neben hohen Ausgabenzuwächsen auch Mängel in der Behandlung von Brustkrebspatientinnen, Diabetikern und Arthrosepatienten fest.
So zeige die Teststreifenversorgung von Diabetikern Typ-I zur Blutzuckermessung erstaunlich hohe Verordnungsmengen, große Preisunterschiede und auffällige Verteilungsmuster, erklärte Glaeske. In den Jahren von 2003 bis 2007 wurden beispielsweise allein in der GEK 500.000 Verordnungen für über 73 Millionen Teststreifen abgerechnet. Glaeske: „Diese Mengen sind therapeutisch fragwürdig und die Preisunterschiede zwischen den Anbietern kaum zu rechtfertigen.“Die Mitautorin des Reports, Maria Beckermann, machte auf einen speziellen Fall von gleichzeitiger Unter- und Überversorgung bei Brustkrebspatientinnen aufmerksam. Kompression und manuelle Lymphdrainage gehörten zur Therapie des sekundären Lymphödems nach einer Brustkrebsoperation.
Allerdings sei nur bei 28 Prozent der behandelten GEK Versicherten die optimale Therapie zum Einsatz gekommen (Kompression mit oder ohne Lymphdrainage), während 46 Prozent nur die Lymphdrainage erhalten hätten und 26 Prozent gar nicht therapiert worden wären. © ER/aerzteblatt.deLinks zum Thema
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